Drei Stunden in fröhlicher Runde, drei Stunden Entlastung

Betreuungsgruppen für Demenzkranke leisten wertvolle Arbeit

Der Kaffee duftet, der Kuchen schmeckt und es wird viel gelacht. Die Besucher erzählen Geschichten vom Vogelnest im Briefkasten, vom strengen Vater, dem schönen Elternhaus und wie es war, als die Mutter früher selbst Brot buk. Aber auch das beste Rezept für einen schnellen Tortenboden und ein Gedicht von Eugen Roth machen die Runde. Ein Herr holt alte Familienbilder aus seiner Tasche und freut sich, wenn Betreuerinnen die Personen darauf erkennen. Die still am Tisch sitzenden Gäste werden immer wieder liebevoll von ihren Betreuerinnen angesprochen und einbezogen. Es sind die Besucher der Betreuungsgruppe für "Menschen mit eingeschränkter Alltagskompetenz", gemeint sind Menschen, die wegen ihrer Demenz Hilfe brauchen.

Monika Kroll ist eine der fünf ehrenamtlichen Betreuerinnen, die sich in Dierdorf um die Senioren kümmern. Sie spricht heute mit den Besuchern über das Thema Wasser, stellt Quizfragen, regt zum Mitdenken und zum Lachen an. Es wird gespielt, manchmal auch etwas zur Jahreszeit gebastelt. Man will fördern, was noch an Gedächtnisleistung bei den demenzkranken Menschen vorhanden ist.

Drei Stunden verweilen die Gäste einmal pro Woche in eine der drei Betreuungsgruppen. Das sind drei Stunden, die ihre Angehörigen Zeit für sich haben. Und genau mit diesem Gedanken wirbt das Kompetenzcenter Demenz: "Zeit für mich". "Wir wissen, wie anstrengend es ist, jemanden mit Demenz zu betreuen, wie belastend es wird, wenn ein Angehöriger den ganzen Tag das Gleiche sagt", erklärt die Leiterin Nicole Vietze, "da sind die drei Stunden Entlastung in der Woche nicht viel, aber oft eine große Hilfe für die Angehörigen". Nicole Vietze wünscht sich, dass noch mehr Menschen den Mut finden, die Betreuungsgruppen in Anspruch zu nehmen. Noch sei Demenz trotz der Diskussionen in den Medien ein Tabu-Thema, sagt sie. Nach ihrer Beobachtung kapselten sich oft Bekannte ab, wo doch genau jetzt Mithilfe besonders nötig sei. Angehörige seien meist sehr traurig und manche schämten sich auch. "Genau da wollen wir mit unserem Angebot eingreifen und einen Lichtblick ermöglichen", erklärt Nicole Vietze.

Die Ehrenamtlichen sind geschult, sie treffen sich regelmäßig zum Austausch, bringen eigene Ideen ein und sind direkte Ansprechpartnerinnen. Das Kompetenzcenter Demenz ist eine Einrichtung der Evangelischen Sozialstation Straßenhaus. Hier hatte man schon früh erkannt, dass man den Angehörigen vom Demenzkranken helfen muss. Mit den Betreuungsgruppen will man aber auch den oft einsamen Menschen Geselligkeit außerhalb der eigenen vier Wände bieten, emotionale Nähe zulassen und die Gäste wertschätzen. Blickt man in die muntere Runde, so scheint dies hervorragend zu klappen.

Infos:
Treffen der Betreuungsgruppen
Montags, 14.30 bis 17.30 Uhr, Evangelisches Gemeindehaus, Am Damm 3, Dierdorf
Mittwochs, 14.30 bis 17.30 Uhr, Evangelisches Gemeindehaus, Weyerbuscher Weg 2, Oberhonnefeld
Freitags (alle 14 Tage), 8.30 bis 12.00 Uhr, Diakonietreff, Mittelstraße 18, Puderbach

Kontakt:
Kompetenzcenter Demenz, Tel. 02634/9435881 oder 02634/4210

Text und Foto: Eckhard Schneider

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